Everyday Christmas #19 | Ihr werdet alle sterben. Alles ist gut - Millie Bird | Gastbeitrag

19 Dezember 2015

©sarahsuperwoman

Du hast Angst vor dem Tod? Hast Angst plötzlich aus deinem Leben herausgerissen zu werden? Oder dass ein geliebter Mensch dir weggenommen wird? Die Angst sich allein und einsam zu fühlen? Das Gefühl zu fallen und niemals den Boden zu erreichen? - Verständlich!

Aus dem Buch "Noch so eine Tatsache über die Welt" von Brooke Davis sagt die kleine Millie Bird immer wieder im Laufe des Buches.


Ihr werdet alle sterben. Alles ist gut! - Millie Bird

Dabei geht es nicht nur mir in meinem Alter so, dass ich Angst habe zu sterben oder dass mir ein geliebter Mensch genommen wird, sondern auch Menschen der älteren Generation haben Angst. Sie fürchten den Tod oder wie Karl der Tasttipper aus dem oben genannten Buch hat Angst zu alt zu werden beziehungsweise zu sein. Dabei spielen die Gedanken wie andere Menschen einen selbst wahrnehmen sowie die eigene Attraktivität und/oder Mobilität eine große Rolle.

Meine eigenen Ängste haben sich für das "zu alt werden" in den letzten Monaten verstärkt. Nicht nur ich selbst habe Angst, dass mein Leben mir im typischen Alltag davonrennt und mir meine Chancen nimmt. Nein, dafür bin ich selbst verantwortlich, aber genau das muss man sich klar machen. Viele Chancen kann man selbst ergreifen, wenn man es nur zulässt oder sich einfach dazu durchringt diesen Sprung zu machen. Einfach ist das nicht, aber wer redet denn schon davon, dass das Leben zu leben einfach wäre? Ich habe auch gemerkt wie sich etwas auswirkt auf mein Leben, wenn jemand zu alt wird. Man muss sich daran anpassen und was mich vor allem graut sind zum Beispiel Ärzte, die zu alt werden. Klingt vielleicht bescheuert, aber kennt ihr das nicht, wenn ihr mit einem Arzt super zufrieden seid und dieser älter und älter wird? Bald kommt die Rente und ihr wisst, dass es da draußen so viele Ärzte gibt, die einfach keine Ahnung von ihrem Beruf haben oder diesen schlecht ausüben und müsst euch dann einen neuen guten Arzt suchen.

Auch als mein Kaninchen, das ich kurz vor der Einschulung in die Grundschule bekam, 2013 verstarb, leidete ich extrem unter diesem Verlust. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man mehr darunter leidet, wenn ein Wesen nicht mehr anwesend ist. Mein Kaninchen war zwar still, aber knabberte immer wieder an seinem Gitter und dieser Ton oder auch rascheln - einfach zu spüren, dass da Leben existiert und anwesend ist, fehlt einem zu sehr.

Gedanke: Wofür das alles, wenn es eh vorbei sein wird?

Tja, auch damit wird man in dem Buch von "Noch so eine Tatsache über die Welt" konfrontiert. Es ist nicht einfach sich diese Frage zu beantworten und doch glaube ich eine kleine, aber feine Theorie zu haben. Hierbei kommt auch wieder Karl der Tasttipper ins Spiel, denn er möchte nicht im Altersheim sein. Er möchte nicht auf sein Alter reduziert werden und vor sich hinsiechen bis er ablebt. Nein, er möchte etwas erleben und um ehrlich zu sein kann ich meinen Hut nur vor ihm ziehen, auch wenn er eine fiktive Person ist. Während er um die halbe Welt reist, noch einmal eine Frau aufreißt und einem kleinen Mädchen dabei hilft die eigene Mutter wiederzufinden, erlebt er sogar für einen Menschen wie ich mit meinen 20 Jahren mehr in diesem Buch als ich. Aber warum sollte man all das noch einmal erleben, wenn wir eh ableben und uns nicht einmal daran erinnern können?

Sich lebendig zu fühlen. Das würde ich wohl als Grund nennen, denn wenn ich mal wieder merke wie sehr ich in meinem Alltag gefangen bin, bin ich wie eine funktionierende und programmierte Maschine. Jeden Morgen der gleiche Ablauf um zur Arbeit zu kommen und jeden Tag die ähnlichen Gedanken. Man kommt nach Hause und denkt sich, dass man noch dies und jenes und das machen sollte, aber es bleibt einfach nur bei dem Gedanken. In Gedanken kann sich viel abspielen, aber wir müssen aktiv werden, um unsere Träume oder unsere Vorhaben umzusetzen, auch wenn es nur der Wochenendeinkauf wäre.

Was ich von "Noch so eine Tatsache über die Welt" gelernt habe

Jedes Mal, wenn ich über den Tod lese oder höre oder rede oder denke, dann verändern sich meine Gedanken stetig. Damals als mein Opa gestorben ist, habe ich geweint und das aus Trauer wegen des Verlusts und vor Freude, weil er nicht mehr leiden muss. Schon damals war ich tapfer und konnte damit relativ gut umgehen. Auch als mein Onkel gestorben war, glaubte ich besser damit umzugehen als meine Mutter, die viel näheren Kontakt zu ihm hatte als ich. Dennoch war er mir wichtig geworden, denn er war der Einzige außerhalb meiner engsten Familie, der an mich und mein Hobby der Fotografie glaubte. Er ermutigte mich und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Genau diesen an mich glaubenden Menschen musste ich verlieren und dieser Verlust setzte mir damals stark zu. Ich finde, dass ich mir selbst ganz gut zureden konnte, denn auch er musste nicht mehr leiden und das habe ich mir für ihn stets gewünscht. Keine Schmerzen, kein Leiden.

Seit ich das Buch gelesen habe, veränderte sich meine Sicht auf den Tod schon wieder einmal. Bei diesem Thema lernt man immer und immer wieder fürs Leben, sodass ich glaube, dass es gut ist über den Tod zu reden und/oder zu lesen. Natürlich ist es ein Thema, bei dem man sich davor sträubt, weil die schlimmsten Verlustängste losgetreten werden, aber es schult.

"Ihr werdet alle sterben. Alles ist gut!" - Millie Birds Aussage. Und genau so wird es auch sein, denn wir haben höchstwahrscheinlich nur dieses eine Leben und dieses sollten wir unbedingt mit unseren erfüllten Sehnsüchten, Träumen, Bedürfnissen füllen. Hierbei ist es doch vollkommen egal, ob wir eine Lasagne essen, die uns so gut schmeckt oder eben einmal im Disneyland Paris sein wollten. Wir alle haben Zeit und diese Zeit sollten wir nutzen, auch wenn der Alltag ein fieser Begleiter unseres Lebens ist. Es ist gut, dass wir sterben, auch wenn mir viele jetzt diese Aussage verneinen würden. Klar, ich verstehe das, aber wenn wir nicht sterben, warum sollten wir dann überhaupt unsere Träume erfüllen wollen? Wir könnten ewig so weitermachen ohne uns einen Gedanken über unsere Sehnsüchte zu machen. Wir machen uns Druck uns Dinge erfüllen zu können, aber dann sollte man endlich mal anfangen etwas zu tun anstatt vor sich hinzuträumen.

All our dreams can come true, if we have the courage to pursue them.
- Walt Disney




Ich bin Sarah, derzeit 20 Jahre alt und ich blogge auf dem Blog "Sarahsuperwoman" seit 2012. Meine Themen drehen sich rundum Literatur, Lifestyle und persönliche Erfahrungen aus meinem Leben, die ich gern knackig verpacke. Man kann mich daran erkennen, dass ich so gut wie immer lauthals lache und hin und wieder einen Laden plünder wegen der neuesten  Postkarten.


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